Beiträge in Kategorie:Barocksaalklassik

3. Barocksaalklassik mit Werken von Mozart und Schostakowitsch

Am Sonntag, dem 12. April 2015 um 16:00 Uhr begrüßt Sie die Norddeutsche Philharmonie Rostock im wunderschönen Barocksaal am Universitätsplatz zum dritten Konzert der Reihe „Barocksaalklassik“.
Der 1. Kapellmeister Manfred Hermann Lehner und das Rostocker Orchester erwarten Sie mit einem tiefgründigen Programm, beginnend mit Adagio und Fuge von Wolfgang Amadeus Mozart.
Wolfgang Amadeus Mozart hatte sich zu jener Zeit sehr mit dem Schaffen Johann Sebastian Bachs und dessen Söhnen Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann auseinandergesetzt; so hatte er im Vorfeld schon einige dem Klavier zugedachte Fugen für Streicher arrangiert.
Bei KV 546 nutzt er eine schon vorhandene eigene Fuge, wie er in seinem Werkverzeichnis daselbst notiert: „..ein kurzes Adagio a 2 Violini, Viola e Basso, zu einer Fuge, welche ich schon lange fuer zwey Klaviere geschrieben habe…“
Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitschs 14. Sinfonie entstand im Januar und Februar des Jahres 1969 während eines Krankenhausaufenthaltes. Wenngleich der Komponist zu diesem Zeitpunkt noch sechs Jahre zu Leben hatte, war er doch von Krankheit schwer gezeichnet, was eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zur Folge hatte. Schostakowitsch empfand andere große Werke, die sich mit den letzten Dingen beschäftigen, wie zum Beispiel das „War Requiem“ seines Freundes Benjamin Britten (der auch der Widmungsträger des Werkes ist) in ihrer Schlussaussage zu verklärend und wollte dieser Todesverklärung etwas entgegen setzen – die Unausweichlichkeit und Unerbittlichkeit des Todes in dieser Sinfonie herausarbeiten – die ihm, dem Atheisten, weder sinnstiftend noch erleichternd erscheinen wollte.
Die Komposition ist für Streichorchester, Perkussionsinstrumente und zwei Gesangssolisten geschrieben. Textlich legt Schostakowitsch Gedichte unterschiedlicher Dichter zugrunde, unter anderem Rainer Maria Rilke, Wilhelm Küchelbecker und Federico Garcia Lorca.
Interessanterweise hat die 14. Sinfonie keine Proteste von offizieller Seite hervorgerufen. Allerdings kam es zum Bruch mit Alexander Solschenizyn, der, tiefgläubig, Schostakowitsch einen falschen Bezug zum Tod vorwarf, weil er den Tod als vernichtende Kraft darstelle …
Den Gesangspart übernehmen Jamila Raimbekova, Sopran und Karl Huml, Bass.

Text: Anderl Ott
Fotos: Wikipedia

Bach zum ersten Advent im Barocksaal

Im Rahmen der Reihe „Barocksaalklassik“ erwartet sie am Freitag, 28. November um 19:30 und am Sonnabend, 29. November um 18:00 Uhr ein reines Bach-Programm: Die drei Kantaten, die Ihnen die Norddeutsche Philharmonie Rostock unter Leitung von Manfred Hermann Lehner zu Gehör bringen möchte, haben gemeinsam, dass sie ursprünglich speziell für die Advents- bzw. Weihnachtszeit entstanden sind.
Die Kantate Nr. 61 „Nun komm, der Heiden Heiland“ komponierte Johann Sebastian Bach zum 1. Advent des Jahres 1714, also genau vor 300 Jahren im Jahr seiner Ernennung zum Konzertmeister am Hof von Johann Ernst von Sachsen-Weimar, wo diese dann auch in der dortigen Schlosskirche erstmals erklang. Sie erleben also gewissermaßen eine Jubiläumsaufführung.
Eingeleitet von dem altkirchlichen Hymnus „Veni redemptor gentium“ (gedichtet vermutlich um das Jahr 385 von Ambrosius, dem Bischof von Mailand), welcher in der verdeutschten Fassung von Luther seit Jahrhunderten das Hauptlied der Adventszeit war, ist der Leitgedanke dieser klein besetzten Kantate das „Kommen“ des Heilands wie es im 21. Kapitel bei Matthäus beschrieben wird. Beschlossen wird die Kantate von einem Teil der letzten Strophe des Kirchenliedes „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (Philipp Nicolai, 1599).
Die Kantate Nr. 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“ basiert auf der Weimarer Fassung von 1716, als BWV 147a für den 4. Advent komponiert und wurde von Bach 1723 in Leipzig für das Fest Mariä Heimsuchung erweitert. Sie bezieht sich also auf die biblische Episode nach der Verkündigung in der sich die schwangere Maria auf den Weg macht, um ihre Verwandte Elisabet zu besuchen (daher „Heimsuchung“) und die Freude mit ihr zu teilen. Elisabet, selbst im sechsten Monat schwanger grüßt sie mit den Worten: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Maria antwortet mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnificat. Hier also der Bezug auf die Adventszeit nur im weiteren Sinne. Der bekannteste Teil dieses Werkes dürfte der Schlusschoral  „Jesu bleibet meine Freude“ sein, der es zu zahlreichen, teilweise recht kitschigen Bearbeitungen gebracht hat.
Die dritte Kantate schließlich, Nr. 151 „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“, für den 3. Weihnachtstag (27. Dezember) des Jahres 1725 geschrieben, gilt als Kleinod und eine der intimsten und persönlichsten Kantaten des Leipziger Meisters, deren populärster Part die titelgebende Eingangsarie mit ihrem wiegenliedartigen Beginn im 12/8-Takt Adagio ist.
Solisten des Konzertes sind Jamila Raimbekova (Sopran), Takako Onodera (Mezzosopran), Titus Paspirgilis (Tenor) und Matthias Vieweg (Bariton), außerdem singt für Sie der Opernchor des Volkstheaters und die Singakademie Rostock.
Lassen Sie sich in der alljährlichen Weihnachtsmarkt- und Budenzauber-Hektik, angesichts derer man sich ruhig einmal fragen darf, ob der Advent nicht vielleicht doch die am meisten missverstandene Zeit des Jahres ist, für kurze Zeit verzaubern und entrücken in die karge Welt der Stille und Einkehr, die uns in Bachs Weihnachtskantaten begegnet.


(Text: Norbert Wölz)

Barocksaalklassik zum Brückenfestival mit Jörg Widmann

Am kommenden Samstag erwartet uns ein ganz besonderes Konzert der Reihe Barocksaalklassik, diesmal innerhalb des Brücken-Festivals für Neue Musik, welches in diesem Jahr vom 24. November bis zum 1. Dezember 2013 bereits zum neunten Mal stattfindet. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock trifft auf Jörg Widmann, den composer in residence des diesjährigen Festivals. Wir werden nicht nur zwei Werke des Komponisten hören, sondern ihn auch als Klarinettist erleben dürfen.
Die Leitung des Konzertes hat GMD Florian Krumpöck, der sich im Folgenden persönlich an Sie wenden möchte:

„Liebe Musikfreunde,

Jörg Widmann näher vorzustellen, hieße eigentlich Eulen nach Athen zu tragen. Er ist einer der ganz wenigen zeitgenössischen Komponisten, die größtes internationales Ansehen genießen und von den wichtigsten Orchestern, Dirigenten und Solisten weltweit aufgeführt werden. Die Besonderheit dieses Komponisten, der im Zentrum unseres Konzertes zum diesjährigen Brücken-Festival im wunderschönen Barocksaal steht, ist aber seine einzigartige Doppelbegabung: Als Klarinettist gastiert er weltweit an den bedeutendsten Adressen und wird auch in unserem Konzert ein virtuoses, aber selten zu hörendes „Klarinettenkonzert“ zur Aufführung bringen: Eine Bearbeitung des Klarinettenquintetts von Carl Maria von Weber für Soloklarinette und Streichorchester.
Hört man beispielsweise Widmanns unvergleichlich sensible, geistreiche und vor reinster Musikalität nur so sprühende Interpretation des Mozart´schen Klarinettenkonzertes, wird der sehr emotionale Zugriff in seiner eigenen Tonsprache noch viel verständlicher. Mit den beiden Werken „Insel der Sirenen“ und „Ikarische Klage“ kommen zwei literarisch inspirierte Werke zur Aufführung, das eine nach Homer, das andere nach Baudelaire, in denen unvergleichliche Bilder vor den Augen des Hörers entstehen. Widmann arbeitet vielfach mit Klangelementen und Klangkombinationen, die direkt diesen Bildern entlehnt scheinen, Bildern, die wie in diesen beiden Stücken oft von einer tiefen Traurigkeit geprägt sind. Als Beispiele für diese Bilder mögen in der „Insel der Sirenen“ das Flirren der Hitze und die von hinten verführerisch singenden Sirenen, in der „Ikarischen Klage“ das direkt hörbare Zusammenfallen der Flügel des Ikarus, der zu hoch zur Sonne fliegen wollte, dienen, Beispiele, die sich dem Zuhörer oft durch einfache Mittel ganz unmittelbar erschließen.
Hat man als Dirigent das Glück, von Widmann viele seiner Phrasen direkt vorgesungen zu bekommen, merkt man, wie tief empfunden und fernab bloßer Konstruktion jede einzelne Note dieser Klanggebilde entstanden ist.
Als Violinsolistin in Widmanns Stück „Insel der Sirenen“ hören Sie die in Rostock bereits bestens bekannte Triin Ruubel, die bereits als Studentin der HMT Rostock mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock aufgetreten ist.
Zum Abschluss des Konzertes möchten wir Ihnen einen absoluten Geniestreich eines Teenagers präsentieren: Die einsätzige Streichersymphonie in h-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die mit glänzender Virtuosität diesen Abend beschließen soll.

Dieses vielfältige Konzert mit einem der bedeutendsten Klarinettisten und Komponisten der Welt sollten Sie sich keinesfalls entgehen lassen!

Ich freue mich auf Sie,
herzlichst Ihr Florian
Krumpöck“

Das Konzert der Reihe Barocksaalklassik findet am Samstag, dem 30. November 2013 um 19:30 im Barocksaal am Rostocker Universitätsplatz statt, Restkarten sind an den bekannten Vorverkauskassen und voraussichtlich auch an der Abendkasse erhältlich.

Um Sie ein wenig auf das Konzert einzustimmen, verlinken wir hier ein Video, in dem Jörg Widmann als Interpret eines eigenen Werkes, seiner „Fantasie“ für Klarinette zu hören ist. Dieses Stück widmete er im Jahr 2011 seinem ehemaligen Lehrer Wilfried Hiller:

1. Konzert Barocksaalklassik „Musik für Prag“

Beinahe hätten wir es versäumt, Sie auf das am Wochenende bevorstehende erste Konzert der Reihe Barocksaalklassik aufmerksam zu machen. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock unter der Leitung von Kapellmeisters Manfred Hermann Lehner widmet sich in diesem Konzert dem Thema Böhmen, so wird unter anderem die Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen, die auch unter dem Namen „Prager Sinfonie“ bekannt ist. Ob Mozart diese Sinfonie bereits vorausschauend für seinen Aufenthalt in Prag komponiert hat, ist umstritten, sicher ist jedenfalls, dass sie am 19. Januar 1787 in Prag uraufgeführt wurde, während sich Mozart im Rahmen einer Akademie hier aufhielt und vor allem als Pianist überzeugen konnte. Am Tag zuvor war bereits Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ in Prag aufgeführt worden. Diese Oper war in Prag derart erfolgreich, dass sich der Prager Impresario Pasquale Bondini entschloss, Wolfgang Amadeus Mozart mit der Komposition einer weiteren Oper zu beauftragen, so dass am 29. Oktober 1787 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater in Prag der „Don Giovanni“ uraufgeführt werden konnte.
Auch die Ouvertüre dieser Oper werden wir im Rahmen des Konzertes im wundervollen Rostocker Barocksaal am Universitätsplatz hören können.

Das 1. Konzert Barocksaalklassik der Spielzeit 2013/2014 findet am Sonnabend, 21. September um 18:00 Uhr statt, es ist wohl bereits so gut verkauft, dass Sie sich beeilen sollten, um noch Restkarten an den üblichen Vorverkaufsstellen des Volkstheaters zu erhalten.

Barocksaalklassik „Rossini und Jon Lord“

Im Rahmen der Rossiniwoche findet am 7. April um 18.00 Uhr ein Konzert in Rostocks wunderschönem Barocksaal statt.
Die Norddeutsche Philharmonie Rostock wird von Manfred Hermann Lehner geleitet, Anja Setzkorn-Krause und Jens Hoffmann sind solistisch zu hören.
Der einführende Text zu diesem Konzert entstand diesmal in Koproduktion von Dirigent Manfred Hermann Lehner und Flötistin Anja Setzkorn-Krause.

Jon Lord, eigentlich John Douglas Lord, wandelt mit „To notice such things“ auf den Spuren der Klassik.
Dieses Crossover verbindet sich in unserem Konzert mit Werken von Gioacchino Rossini, dem Großmeister der Opera buffa.

Neben zwei Ouvertüren, La scala di seta und Signor Bruschino, werden noch eine Streichersonate und zwei Chorwerke erklingen.
Wie von Rossini nicht anders erwartet, entpuppt er sich in den Ouvertüren als Meister des hintergründigen Humors.
Aus den Chorwerken hingegen spricht der bereits alte Rossini, der in seinen von ihm selbst sogenannten „Alterssünden“ nach zwanzigjähriger Pause des Komponierens nun nur noch zum eigenen Vergnügen komponierte.
Die beiden Chorwerke La Passeggiata und I Gondolieri sind für vierstimmig gemischten Chor mit Soloklavier gesetzt. Beide sind Meisterwerke des Chorsatzes mit der Feinheit und Raffinesse eines Kunstliedes.

„Er war ein Mann der gewöhnlich solche Dinge bemerkte“ ist die letzte Zeile eines Gedichtes von Thomas Hardy, in dem der Poet versuchte sich vorzustellen, was die Menschen nach seinem Ableben über ihn sagen könnten. Mit diesem Gedicht beendete der Anwalt und Drehbuchautor John Mortimer gewöhnlich seine reisende, überaus erfolgreiche Ein-Mann-Show, in der Jon Lord ab und an Piano spielte.
Seit seinem Durham Concerto im Jahre 2007 hat der Ex-Heavy-Metal-Keyboarder Jon Lord seine Aufmerksamkeit zunehmend der klassischen Komposition zugewandt.
„To notice such things“ ist eine Suite, geschrieben zum Gedenken an seinen engen Freund, John Mortimer.
Mit zarten Flötentönen, warm harmonierenden Streicherklängen und einem interessanten Klavierpart schrieb der langjährige Deep Purple Keyboard Zauberer ein gefühlvolles, weichherziges Portrait.
In der sechssätzigen Suite findet sich der ruhige Pastoralismus von Turville Heath (3. Satz), Mortimers Heim in den Chilterns, scharfe Kontraste und forsch-behende Pizzicati in At Court (2. Satz) – illustriert mit der geschäftig flatternden Flötenmelodie Mortimers, die seine Brillanz und seinen Humor bei Gericht beschreibt. Auch in The Stick Dance (4. Satz) stellt er herrlich dar, wie Mortimer trotz Gehstock sein Leben genießt. Im Winter of a Dormouse (5.Satz) ist die Altersschwäche, Melancholie und Niedergeschlagenheit Mortimers zu spüren. Jon Lord schreibt musikalisch gut strukturiert, illustrativ und wunderbar farbig.
Seine etwa halbstündige Komposition beschreibt Haupt-Whitesnake und Ex-Deep Purple Frontman David Coverdale auf seiner Webseite:
“ …. ich habe gerade das neu aufgenommene Werk des überaus charmanten ‚Gentleman of Letters‘ gekauft und spiele es gerade ….. Für all jene von euch die zarte , sensible Begleitmusik genießen um eure Morgen, Nachmittage & Abende zu verschönern, wird dies vielleicht ein lohnender Begleiter sein um eure Sinne zu erweitern und zu beruhigen …. Nicht schlecht Jon, mein Kumpel …. Überaus erfreulich …. Mmmm ….. Ja……. ich werde noch ein Glas von dem Kläret nehmen, danke …. Entzückend….“
Auch „To notice such things“ von Jon Lord ist ein Alterswerk. In Erinnerung an seinen verstorbenen Freund, ist es zugleich Zeugnis seines eigenen Lebensendes: Jon Lord überlebte die Komposition nur kurz.