Beiträge in Kategorie:Spielzeit 2017/2018

Schostakowitschs Revolutionspauken und Beethovens populärstes Klavierkonzert im 4. Philharmonischen Konzert

Das letzte Philharmonische Konzert dieses Jahres verspricht ein besonderes zu werden. Mit Revolutionsmusik und Dramatik von Schostakowitsch, mit stürmischen und lyrischen Momenten von Beethoven. Am Pult wird Marcus Bosch, Generalmusikdirektor in Nürnberg und ordentlicher Professor an der HMT München, stehen und die Norddeutsche Philharmonie dirigieren. Musiker und Zuhörer werden voller Spannung auf den gemeinsamen Auftritt blicken. Denn Bosch übernimmt ab der Saison 2018/19 die künstlerische Verantwortung über das Rostocker Orchester und wird als Conductor in Residence wirken.
Dem Rostocker Konzertpublikum ist Marcus Bosch (geb. 1969) kein Unbekannter. Seit 2013 ist er regelmäßig Gastdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock gewesen. Geplant sind in den kommenden drei Jahren je acht Konzertprojekte sowie das Kuratieren des Konzertprogramms. Marcus Bosch freut sich auf die Aufgabe an der Ostsee, er hat bereits häufig hervorgehoben, wie sehr er die Haltung des Orchesters in kulturpolitisch schwierigen Zeiten schätzt. Mit Bosch kommt jemand mit großem Renommee in die Hansestadt, einer der gefragtesten und innovativsten Dirigenten seiner Generation.
Als erstes Werk des Abends wird das fünfte und letzte Klavierkonzert von Ludwig von Beethoven (1770 – 1827) zu hören sein. Es erfreut sich weltweit größter Beliebtheit, gehört zu den meistaufgeführten Klavierkonzerten. Den Solopart übernimmt in Rostock der junge deutsche Pianist Alexander Schimpf (geb. 1981), der diesseits und jenseits des Atlantiks erfolgreich ist. Als Solist wurde Schimpf u.a. vom Wiener Kammerorchester, dem Marinskij-Orchester St. Petersburg, den Dresdner Philharmonikern, den Nürnberger Symphonikern und dem Beethoven-Orchester Bonn eingeladen.
Mit Pauken und Trommeln, den Waffen der Revolution, beginnt der zweite Teil des Konzertabends. „Das Jahr 1917“ lautet der Untertitel für die 12. Sinfonie in d-Moll von Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975), der dieses Werk 1960/61 komponierte und Wladimir Illjitsch Lenin widmete. Es ist ein Werk, das noch immer widersprüchlich bewertet wird. Wollte Schostakowitsch der Oktoberrevolution linientreu ein Denkmal setzen und sie glorifizieren? Oder setzt er sich kritisch mit dem Totalitarismus auseinander? Der Schluss des Werkes ist überinstrumentiert, übermäßig laut und blechern. Eine Auseinandersetzung mit dem Krieg, der alles zerstört und die Menschen ratlos zurücklässt. Interpretationen sind viele möglich. Auch das Leben des Komponisten, das von Aufruhr und Anpassung zugleich Zeugnis ablegt, wirft viele Fragen auf und ist nur aus der Historie heraus erklärbar.
Eine ausführliche Konzerteinführung mit Wissenswertem zu den Werken und Komponisten können Besucher wie gewohnt eine halbe Stunde vor Beginn im Intendanzfoyer erleben.

Termine für das 4. Philharmonische Konzert: Großes Haus des Volkstheaters Rostock am 10. Dezember um 18.00 Uhr und am 11. und 12. Dezember um 19.30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: Martin Goffing

Prokofjew und Rachmaninow im Novemberkonzert – junge Künstler zum Debüt mit der Norddeutschen Philharmonie in Rostock

Das 3. Philharmonische Konzert beginnt mit dem Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur, das der 26-jährige Sergej Prokofjew (1891 – 1953) im Revolutionsjahr 1917 beendete. Vor 100 Jahren war die zaristische Ordnung in Russland gestürzt worden. Angesichts der Wirren konnte die Uraufführung des Werkes, die für den Herbst in Petrograd vorgesehen war, nicht stattfinden. Erst 1923 wurde das Werk in Paris uraufgeführt. Prokofjew war wie viele Intellektuelle und Künstler in Folge der Revolution 1918 ins Ausland emigriert. Nach einem Intermezzo in den USA, wo Prokofjew nicht Fuß fassen konnte, lebte er viele Jahre in Paris, bis er sich 1936 entschloss, endgültig nach Russland zurückzukehren. Prokofjew hatte in der Heimat dann seine produktivste Phase.
Das frühe Violine-Konzert ist geprägt von ausdrucksvoller Lyrik, gepaart mit ungemeiner Virtuosität und heiter-ironischer Klangstärke. Gespielt wird der Solopart von der jungen Geigerin Lara Boschkor (geb. 1999 in Tübingen), die bereits viele Erste Preise bei Wettbewerben gewann. Als Preisträgerin des Deutschen Musikinstrumentenfonds spielt sie seit 2012 eine Violine von Carlo Antonio Testore, Mailand 1740, aus dem Besitz der Deutschen Stiftung Musikleben. Festspiele-Zuhörern ist sie bereits bekannt als Teilnehmerin des Wandelkonzerts auf Schloss Ulrichshusen. In Rostock gibt Lara Boschkor ihr Debüt.
Ebenfalls ein Debüt feiert Karsten Januschke (geb. 1980 Bad Segeberg) als Dirigent in Rostock. Er hat sich im Opern- und Konzertbereich innerhalb weniger Jahre einen Namen als großes Talent der jüngeren Dirigentengeneration gemacht. Bereits während seines Studiums arbeitete er an der Wiener Staatsoper als Solorepetitor und Dirigent von Kinderopern sowie am Theater in Wien und später bei den Bayreuther Festspielen, wo er Dirigenten wie Christian Thielemann und Kirill Petrenko assistierte.
Die Norddeutsche Philharmonie erfreut im zweiten Teil des Konzertabends die Zuhörer mit der Sinfonie Nr. 2 e-Moll von Sergej Rachmaninow (1873 – 1943). Diese Komposition schrieb Rachmaninow während seines fast zweijährigen Aufenthaltes in Dresden in den Jahren 1906 und 1907. Die Uraufführung fand im Jahr 1908 in Sankt Petersburg statt und wurde von dem Komponisten selbst dirigiert. Diese Sinfonie wird aufgrund ihrer großen Beliebtheit beim Publikum gern gespielt. Sie ist schwärmerisch und feurig zugleich. Die Soli der Holzbläser sind besondere Glanzlichter in dieser Sinfonie.
Eine ausführliche Konzerteinführung zu den Werken und Komponisten können Besucher wie gewohnt eine halbe Stunde vor Beginn im Intendanzfoyer erleben.

Termine: 3. Philharmonisches Konzert im Großen Haus des Volkstheaters Rostock am 12. November um 18.00 Uhr und am 13. & 14. November jeweils um 19.30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: Peter Dynow, Jürgen Friedel

Philharmonie zum Film – „Buddenbrooks“ mit live gespielter Filmmusik

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt rund um das 120. Geburtstagsjubiläum der Norddeutschen Philharmonie erwartet die Freunde des renommierten Orchesters am heutigen Abend um 19.30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock. Gezeigt wird der mehrfach preisgekrönte Film „Buddenbrooks“ (D, 2008) des Regisseurs Heinrich Breloer. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock spielt live dazu die Filmmusik von Hans Peter Ströer. Bereits 2008 hatte das Rostocker Orchester unter Leitung von Frank Strobel, Künstlerischer Direktor der Europäischen Filmphilharmonie, die Musik für die Kinofassung und den Fernsehfilm „Buddenbrooks“ aufgenommen. Jetzt gibt es ein Wiedersehen erstmals live vor Publikum.
Strobel freut sich darauf, nach Jahren „endlich wieder zurNorddeutschen Philharmonie zurückzukehren“. Die Live-Aufführung schließe sich an die vielen unvergesslichen Filmkonzerte an, die gemeinsam auf die Bühne gebracht wurden.
Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann um Aufstieg und Fall einer deutschen Kaufmannsfamilie wird den Zuschauern durch die Darstellerleistungen von Hollywoodstar Armin Mueller-Stahl und Top-Schauspielerin Iris Berben im Gedächtnis geblieben sein. „Ein grandioses Filmereignis“, betont Dr. Thomas Diestel, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft Rostock e.V.. Vermutlich sei vielen Rostockern aber gar nicht bekannt, dass die Norddeutsche Philharmonie ihren Anteil am Erfolg hat. Der Rostocker Klangkörper gehört zum Verbund der Orchester, die von der Europäischen Filmphilharmonie seit ihrer Gründung im Jahr 2000 immer wieder für gemeinsame Projekte angefragt werden. Beispielsweise spielte die Norddeutsche Philharmonie die Musik für die ersten vier Commissario-Brunetti-Verfilmungen von Donna Leon ein: „Vendetta“ (2000), „Venezianische Scharade“ (2000), „In Sachen Signora Brunetti“ (2002) und „Nobilità“ (2002).
„Philharmonie zum Film“ – dieses Erlebnis, das dem Film neue Hör-Dimensionen verleiht, ist erst seit kurzem für Ton-Filme technisch machbar. Der originale Kinosound mit Sprache und Geräuschen wird übernommen, allerdings die Musik abgekoppelt, die dann live vom Orchester gespielt wird. „Technisch ist das Event eine große Herausforderung“, erklärt Corina Wenke, Dramaturgin des Rostocker Volkstheaters. Dirigent und Musiker werden an diesem Abend besonders hoch konzentriert arbeiten müssen, um in allen Momenten synchron zum Film zu bleiben. Technische Unterstützung geben Monitore für den Dirigenten und Musiker mit Solostücken. „Unser Anliegen ist es, die emotionale Wirkung des Films durch die Live-Musik authentisch zu verstärken“, sagt Dramaturgin Wenke.
Der Norddeutsche Rundfunk unterstützt die Rostocker Veranstaltung.

Termin für „Philharmonie zum Film“:  4. November 19.30 Uhr im Großen Haus Rostock.

Text: Anette Pröber