Mozart zur Petitionsübergabe

Fulminanter Protest durch die Philharmonische Gesellschaft Rostock und Orchestermitglieder im Schweriner Schloss

Kurz vor Beginn einer Sitzung des Petitionsausschusses im Schweriner Landtag spielte am Donnerstagnachmittag ein Quartett aus Mitgliedern der Norddeutschen Philharmonie Rostock dem parlamentarischen Gremium auf. Frühlingsmelodien von Mozart. Manfred Dachner, der Vorsitzende des Petitionsausschusses, zeigte sich beeindruckt und sprach von einem „historischen Moment“. Noch nie sei wohl eine Petition in Deutschland begleitet von Mozartschem Klang überreicht worden, meinte der SPD-Landtagsabgeordnete.
Die Philharmonische Gesellschaft Rostock e.V. war eigens mit einer kleinen Abordnung angereist, um ihrer Forderung nach dem Erhalt der Norddeutschen Philharmonie Rostock Ausdruck zu verleihen und 14.125 gesammelte Unterschriften gegen die Kürzungspläne zu überreichen. Der Rostocker Unternehmer Dr. Thomas Diestel, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft, unterstrich, dass es in Zeiten des allgemeinen Wohlstands in Deutschland vollkommen unverständlich sei, wertvolle Kulturgüter aufzugeben. „Das renommierte Orchester hat eine 120-jährige Tradition, dabei Zeiten von Kriegen und Krisen überstanden. Wir werden alles unternehmen, damit auch nachfolgende Generationen sich an der Qualität dieses A-Orchesters erfreuen können.“
Eine Schrumpfung von derzeit 73 auf 59 Musikerstellen, wie sie der Intendant des Volkstheaters Rostock ins Gespräch gebracht habe, sei nicht hinnehmbar, erklärte Orchestervorstand Andreas Ott im Schweriner Schloss. Viele Werke großer Komponisten würden bei einem weiteren Stellenabbau vom Spielplan gestrichen werden müssen und die Klangfarbe und -fülle des Orchesters ginge verloren. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock ist der renommierteste Klangkörper des Landes Mecklenburg-Vorpommern und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Weltweit gefragte Künstler und Dirigenten fühlen sich von ihm nach Rostock gezogen. Das Orchester spielt in der 1. Liga, ist Aushängeschild der Region.
Die Zielvereinbarung zwischen der Hansestadt und dem Land Mecklenburg-Vorpommern besage, „alles… zur Wahrung und Steigerung des künstlerischen Ranges des Volkstheaters und seines Orchesters zu tun“, erklärte der Vorsitzende der Philharmonischen Gesellschaft Rostock. Er forderte dazu auf, diese Vereinbarung beim Wort zu nehmen, über Möglichkeiten und finanzielle Mittel neu zu befinden, um die Streichpläne endlich aus der Welt zu schaffen.
Unter den Zuhörern im Schloss war auch Eva-Maria Kröger (Linke) aus Rostock. Sie gehört bekanntlich zum Aufsichtsrat des Volkstheaters und ist zugleich auch Mitglied im Petitionsausschuss des Landtages. Sie freute sich über das bürgerschaftliche Engagement, das nun auch auf Landesebene angekommen sei. Zugleich wertete sie das kürzlich ergangene Urteil des Rostocker Arbeitsgerichtes, Orchestermitglieder wieder einzustellen, als einen wichtigen Achtungs-Erfolg. Allerdings sei das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Die Petition, die übergeben wurde, werde nun „neutral geprüft“, sagte Dachner. Es werden zunächst die Stellungnahmen der verschiedenen Seiten eingeholt. Danach werde über weitere Schritte beraten.
Im vergangenen Jahr wurden über 1600 Petitionen in Schwerin eingereicht. Bei etwa der Hälfte aller Petitionen kann ein positiver Abschluss bzw. ein Kompromiss erreicht werden, sagte der Vorsitzende des Petitionsausschusses.

Text und Fotos: Anette Pröber

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