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8. Philharmonisches Konzert: Wiedersehen mit Florian Krumpöck am Klavier

Mit schneller Feder in wenigen Wochen komponiert und dann in mühevoller Kleinarbeit verfeinert. So entstand eines der bedeutendsten Werke tschechischer Klavierliteratur: Antonin Dvoráks Klavierkonzert in g-Moll. Der Komponist schrieb das Werk im August und September 1876 in Prag, zwei Jahre später wurde es uraufgeführt. Vom ersten Federstrich bis zum Erstdruck des Werkes vergingen jedoch sieben Jahre, in denen Dvorák immer wieder korrigierte. Die handschriftliche Partitur weist ungewöhnlich viele Ergänzungen mit Bleistift, Rotstift, Blaustift sowie in roter Tinte und viele überklebte Stellen auf.
Die Norddeutsche Philharmonie spielt dieses große romantische Werk für Klavier und Orchester unter der Leitung von Marcus Bosch, der seit 2011 Generalmusikdirektor des Staatstheaters und der Staatsphilharmonie Nürnberg ist. Bosch trifft auf den ehemaligen Rostocker Generalmusikdirektor Florian Krumpöck, der den Klavierpart übernommen hat. Krumpöck hat sich in Rostock vor allem mit zahlreichen Musiktheater-Premieren und Sinfoniekonzerten einen Namen gemacht, mit dem Mahler-Zyklus oder auch dem Beethoven-Marathon mit den neun Sinfonien an vier aufeinanderfolgenden Tagen im IGA-Park. In mehreren Konzerten agierte Florian Krumpöck als dirigierender Pianist.
Sowohl Bosch als auch Krumpöck haben sich bereits mehrfach intensiv mit dem Werk von Antonin Dvorák (1841 – 1904) befasst, der Einflüsse von Klassik und Romantik mit Elementen der Volksmusik verband. Der tschechisch-folkloristische oder auch slawische Stil prägte mehrere Schaffensperioden des Böhmen. Die Musik strahlt Heimatliebe, Naturverbundenheit und tiefe Religiosität aus. Mit Dvoráks vielseitigem Werk fand das tschechische Musikschaffen seine unverwechselbare nationale Identität.
Eine ähnliche Rolle wie Dvorák für die Tschechen spielte Bela Bartók (1881 – 1945) für die Ungarn. Der in Groß-Sankt-Nikolaus/Nagyszentmiklos geborene Komponist, Pianist und Musikethnologe gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne. Auch Bartók faszinierte die Schlichtheit und Direktheit der Volksmusik und des Volksliedes, gern ließ er sich inspirieren und suchte nach einem eigenen harmonischen Stil.
Beim 8. Anrechtskonzert der Norddeutschen Philharmonie wird eines der bekanntesten Stücke Bartóks zu Gehör gebracht, das „Konzert für Orchester“. Es entstand 1943 in den USA, in die er 1940 vor dem Faschismus emigriert war. Die Angst, dass sein Heimatland eine deutsche Kolonie werden könnte, trieb Bartók „weg aus der Nachbarschaft dieses verpesteten Landes“ und veranlasste ihn zu einem „Sprung ins Ungewisse aus dem gewussten Unerträglichen.“ Heimisch wurde Bartók allerdings nicht, er fühlte sich in den USA nicht wohl, was sich auf die Gesundheit auswirkte. Da an seinen Werken nur geringes Interesse bestand, war auch die finanzielle Lage der Familie schwierig. Die amerikanische Vereinigung der Komponisten, Autoren und Verleger ermöglichte ihm eine Heilbehandlung und unterstützte auch durch die Auftragsvergabe von Werken.
So schrieb Bartók das Werk „Konzert für Orchester“ als Auftragsarbeit für die Stiftung des Dirigenten Sergei Kussewitzki. Es wurde eines der bekanntesten und beliebtesten Werke Bartóks. Am 26. September 1945 starb Béla Bartók in New York City an Leukämie. Er wurde auf dem Ferncliff-Friedhof in New York beerdigt. Erst 1988, angesichts des politischen Tauwetters in Ungarn, konnten die sterblichen Überreste nach Budapest überführt und dort am 7. Juli im Rahmen eines Staatsbegräbnisses auf dem Friedhof Farkasrét beigesetzt werden. Bartók gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Vielen Menschen wurde auch Bartóks Klavierstück Allegro barbaro in der Adaption der Musikgruppe Emerson, Lake and Palmer auf deren Debütalbum bekannt. Der am 12. März 1988 entdeckte Asteroid (4132) Bartók wurde 1989 nach ihm benannt.

Die Konzerttermine für das 8. Philharmonische Konzert sind Sonntag, 3. April 2016 um 18:00 Uhr sowie Montag und Dienstag (4. & 5. April) jeweils um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und (wenn noch vorhanden) an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber, Fotos: Peter Dynow