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7. Philharmonisches Konzert mit Uraufführung, Kinderchor und Klavierkonzert

Die Norddeutsche Philharmonie hat sich für das 7. Philharmonische Konzert ein außergewöhnliches Musikprogramm für die Rostocker Konzertfreunde einfallen lassen. Das Eröffnungsstück für die drei Konzertabende ist ein anspruchsvolles Auftragswerk. Der koreanische Komponist Myung-Whun Choi (geb. 1974), der einst in Bremen studierte und seitdem eine enge Verbindung nach Deutschland pflegt, schrieb für das Rostocker Orchester das Werk „Hoffnung“ (Na-rae 4). Im Anschluss wird der Kinderchor der Singakademie Rostock e.V. einen Bachchoral singen, gedacht als perfekte Überleitung zum Klavierkonzert f-Moll op. 114 von Max Reger. Einstudiert wurde das Stück von Dmitry Krasilnikov. Der in Moskau geborene Musikwissenschaftler absolvierte in Rostock an der HMT eine Ausbildung zum Orchesterdirigenten und leitet seit 2015 als Chorleiter den Kinder- und Jugendchor der Rostocker Singakademie am Volkstheater.
Max Regers (1873-1916) Klavierkonzert op. 114 entstand im Sommer 1910 in Leipzig und wurde dort auch am 15. Dezember im Gewandhaus uraufgeführt. Reger hatte das Werk der Pianistin Frieda Kwast-Hodapp als Dankeschön gewidmet, weil sie 1908 Regers Bach-Variationen op. 81 erstaufführte. Kwast-Hodapp spielte zur Uraufführung und Reger war so begeistert von ihrer Darbietung, dass er sie Kwast-Hutab titulierte. Von der Kritik wurde das Klavierkonzert allerdings verrissen. Der Rezensent der Leipziger Neuesten Nachrichten schrieb von einem Konzert, das ihm „als eine neue Fehlgeburt der in Inzucht verkommenden Reger-Muse erschienen ist“. Das technisch anspruchsvolle Werk zählt bis heute zu den wenig gespielten Klavierkonzerten. Zu Unrecht, weil es klanggewaltig ist, ein „Klaviergebirge“, wie es zahlreiche meisterhafte Einspielungen beweisen. In Rostock ist am Klavier Bernd Glemser (geb. 1962) zu erleben, der seit 1995 regelmäßig Gast der Norddeutschen Philharmonie in Rostock ist. Das Konzertrepertoire des gefeierten Pianisten reicht von der Barockmusik bis zu Klavierwerken der Neuen Musik.
Nach der Pause spielt das Orchester unter der Leitung des Berliner Dirigenten Julien Salemkour (geb. 1969) ein Werk von Arnold Schönberg (1874-1951). Dieser war 1933 in die USA ausgewandert und vollendete dort einige seiner bekanntesten Werke. 1937 huldigte Schönberg dem großen Komponisten Johannes Brahms, in dem er Brahms Klavierquartett Nr. 1 g-moll op. 25 für ein Orchester bearbeitete. Dieses Werk wird heute oftmals scherzhaft als „fünfte Sinfonie von Brahms“ bezeichnet. Dirigent Otto Klemperer hatte nach der Uraufführung in Los Angeles gemeint: „Man mag das Originalquartett gar nicht mehr hören, so schön klingt die Bearbeitung.“
Vor den Philharmonischen Konzerten wird jeweils eine Konzerteinführung angeboten. Diese findet im Intendanzfoyer eine halbe Stunde vor Konzertbeginn statt und vermittelt sehr viel Wissenswertes über die Werke und Komponisten.

Termin: Großes Haus des Volkstheaters Rostock am 26. März um 18.00 Uhr und am 27. und 28. März jeweils um 19.30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und – soweit vorhanden – an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: Carsten Iltsche, Werner Kmetitsch

Heiter, schelmisch und hintergründig – 6. Philharmonisches Konzert mit Dirigent Fabrizio Ventura

„Wie Till geboren und drei Mal getauft wurde“, „Doch aus der großen Zehe guckt der Schelm hervor“, „Als Pastor verkleidet trieft er von Salbung und Moral“, „Schwört Rache zu nehmen an der ganzen Menschheit“. Mit solchen Zeilen versah Richard Strauss (1864 – 1949) seine Partitur „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28. Allerdings ließ er seine Worte den Zuhörern nicht ins Programm schreiben und teilte mit: „Wollen wir diesmal die Leutchen selber die Nüsse aufknacken lassen, die der Schalk ihnen verabreicht…“
Der große deutsche Komponist Richard Strauss, der über 250 musikalische Werke geschrieben hat, rechnet in dem sehr populären, beliebten Stück mit seiner spießigen Umwelt ab. Zunächst hatte er eine Oper geplant, dann aber die Sinfonische Dichtung für großes Orchester geschrieben, die 1895 in Köln uraufgeführt wurde und schon damals großen Erfolg feierte.
Das Programm des 6. Philharmonischen Konzertes am kommenden Sonntag, Montag und Dienstag im Großen Haus Rostock verspricht Heiteres, Ironisches und Hintergründiges. Die Norddeutsche Philharmonie spielt unter Leitung des italienischen Dirigenten Fabrizio Ventura, der seit Sommer 2007 Generalmusikdirektor des Theater Münster und des Sinfonieorchesters Münster ist, als Gastdirigent bereits viele renommierte Orchester leitete und zahlreiche Opernproduktionen an allen großen Häusern der Welt betreute.
Der Abend beginnt mit einer Lustspielouvertüre op. 120 von Max Reger (1873 – 1916). Reger gehört neben Richard Strauss und Arnold Schönberg zu den Schlüsselfiguren der anbrechenden Moderne. In diesem Jahr jährt sich der Todestag des deutschen Komponisten, Organisten, Pianisten und Dirigenten zum einhundertsten Male. Im Jubiläumsjahr finden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen statt, die das Schaffen Regers in den Mittelpunkt rücken. Auf der Homepage www.reger2016.de gibt es einen Überblick über die verschiedenen Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Würdigungen.
Mit der Sinfonie g-Moll KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) wird beim 6. Philharmonischen Konzert eines der bekanntesten Werke des berühmten Komponisten gegeben. Die späte Sinfonie war schon kurz nach der Entstehung hoch geschätzt, was sich auch in einer Vielzahl von Bearbeitungen ausdrückte. Der bekannte englische Komponist und Musikwissenschaftler Donald Francis Tovey (1875 – 1940) sah in dem Werk Ähnlichkeiten mit der italienischen Opera buffa und Rossinis Ouvertüre zum Barbier von Sevilla. Zu hören wird in Rostock mit Giorgio Battistelli (geb.
1953) auch einer der renommiertesten Gegenwartskomponisten Italiens sein. Er kreierte im Auftrag der „Gesellschaft für Neue Musik Münster“ das Werk „Pacha Mama“ („Mutter Erde“, 2012). Es ist eine orchestrale Vorstudie zu einer 2013 für die Mailänder Scala geplanten Oper über das Problem der Erderwärmung nach Texten von Al Gore.
Vor den Philharmonischen Konzerten gibt es traditionell eine Konzerteinführung. In etwa 15 Minuten wird Wissenswertes und Interessantes über die Komponisten sowie die Entstehung und Rezeption der gespielten Werke präsentiert. Die Einführung findet eine halbe Stunde vor Konzertbeginn statt.

Das 6. Philharmonische Konzert findet am 21. Februar um 18:00 Uhr sowie am 22. und 23. Februar um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock statt. Karten sind an den bekannten Vorverkaufskassen und an der Abendkasse erhältlich.

Text: Anette Pröber, Foto: www.fabrizio-ventura.com

Facettenreicher Mozart im 7. Philharmonischen Konzert

Die Norddeutsche Philharmonie bleibt auch in ihrem 7. Philharmonischen Konzert, welches unter der Leitung des Generalmusikdirektors des Theaters Hagen Florian Ludwig stattfindet, der Wiener Klassik treu. Dieses Mal steht das Konzert unter dem Vorzeichen Wolfgang Amadeus Mozarts.
Die erste überlieferte Symphonie des jungen Genies wird gerne seiner Salzburger Epoche zugerechnet, doch entstand sie vermutlich zum Ende des Jahres 1764 in London, vielleicht auch 1765. Die Familie Mozart, seit dem 9.Juni 1763 auf Europareise, hatte sich für einen Aufenthalt von fünfzehn Monaten nach London begeben, wo auch ein Treffen mit Johann Christian Bach stattfand. Reisen bildet und inspiriert – die Fülle an musikalischen Einfällen dieser Symphonie und die Meisterschaft in der Verarbeitung des thematischen Materials werden gerne als Ergebnis dieser Lebensphase gesehen. Mozart erlebte eine Zeit, die dem musikalischen Wunderkind unvergessliche und prägende Eindrücke hinterlassen haben muss, zusammen mit seiner Schwester Nannerl begeisterte er seine Zuhörer, unter ihnen auch der halbwüchsige Johann Wolfgang von Goethe.
Die Krönungsmesse Wolfgang Amadeus Mozarts verdankt ihren Namen vermutlich dem Umstand, dass sie zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Josephs II, der nach dem Tode Maria Theresias den Habsburger Thron bestieg, zum ersten Mal erklang. Mozart selbst verwendet den Namen nicht, anzunehmen ist, dass Mitglieder der Wiener Hofkapelle den Ausdruck prägten, der erst seit 1873 schriftlich erwähnt und seither ein feststehender Begriff ist. Stilistisch bleibt zu erwähnen, dass Mozart Chor und Solostimmen sehr deutlich voneinander trennt. Auch die sinfonischen Elemente der Messe fallen auf.
Wolfgang Hildesheimer bemerkt in seiner Mozartbiografie sehr richtig: „Was ist Kirchenstil? Hat Palestrina oder Orlando di Lasso in ihm geschrieben? Oder handelt es sich vielmehr um den Stil der jeweiligen Zeit (…), in der ernste Musik gleich Kirchenmusik war? (…) Die Entdeckung mythologischer Themen kam später und hat weder Palette noch Pinselstrich geändert.“
Max Regers op. 132 „Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart“ feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Es handelt sich um eines seiner bekanntesten Werke. Reger bezieht sich auf ein Thema aus der Klaviersonate A-Dur KV 331 von Mozart, das jener schon selber variiert hat.
Die Musik Regers ist bis heute schon allein seiner technischen Schwierigkeiten wegen nicht allzu häufig gespielt. Der Komponist, der als Vollender der „chromatischen Polyphonie“ gilt, könnte durchaus Inspiration für die von Thomas Mann vertretene These sein, „die Dissonanz sei der Gradmesser der polyphonen Würde eines Akkords …“. Und so führt uns Reger mit schier unglaublicher geistiger Beweglichkeit an den Rand der Tonalität, ohne das Symphonisch-Ganze aus dem Blick zu verlieren. Er baut so dem Zuhörer mit noblem Verständnis und großem Gestus eine Brücke in die musikalische Moderne. (Text: Anderl Ott)

Das 7. Philharmonische Konzert, in dem außer der Norddeutschen Philharmonie auch der Opernchor des Volkstheaters und die Singakademie Rostock zu hören sein wird, findet am 22. und 24. März um 19:30 Uhr und am 23. März um 18:00 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock statt, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen des Volkstheaters. Als Solisten in Mozarts Krönungsmesse erleben Sie Theresa Grabner, Takako Onodera, Garrie Davislim und Helmut Höllriegl.