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Bedeutende russische Werke und ein zeitgenössisches Klavierstück aus China beim 9. Philharmonischen Konzert

Zum dritten Mal wird der aus China stammende 1. Gastdirigent der Norddeutschen Philharmonie Yongyan Hu die Konzertleitung bei einem Philharmonischen Konzert in Rostock übernehmen. Auch diesmal hat er ein Stück aus seiner Heimat im Gepäck: das Klavierkonzert „Scent oft the Green Mango“ des chinesischen Komponisten Xiaogang Ye. Der 60-jährige Ye schrieb zahlreiche sinfonische Werke, Kammermusik, Film- und Bühnenmusik und gilt als einer der führenden zeitgenössischen Komponisten Chinas. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking wurde sein Klavierkonzert „Starry Sky“ von dem Starpianisten Lang Lang aufgeführt – weltweit live von drei Milliarden Zuschauern verfolgt. Die Gegensätze von Tradition und Moderne, östlichem und westlichem Denken spielen im Werk des Komponisten eine zentrale Rolle. Inspirationen für die Musik durch tropische Pflanzen. Das Klavierkonzert, das in Rostock vorgestellt wird, gehört zu einer Reihe von Kompositionen, in denen sich Ye von tropischen Pflanzen und der Natur inspirieren ließ. Dazu meinte der Komponist, der das Werk 2014 in Deutschland zur Uraufführung brachte: „Ich ziehe meine Inspiration gewöhnlich aus meiner Neugierde gegenüber der  unberührten Natur, der Verehrung von unantastbarer Schönheit. In der klassischen chinesischen Ästhetik spiegeln Pflanzen, Berge oder Flüsse die Gefühle und den Geist ihres Schöpfers wider.“ Die Musik entführe in die heißen Subtropen, in feucht-warme Gefilde, die die Pflanzen üppig wuchern ließen. Es sei kein Klavierkonzert im herkömmlichen Sinne, meinte Ye, eher ein Werk Chopins aus dem 21. Jahrhundert. Der chinesische Komponist wird, aller Voraussicht nach, in Rostock Gast der Philharmonischen Konzerte sein.
Gespielt wird das anspruchsvolle Klavierstück „Scent of the Green Mango“ von der chinesischen Pianistin Fei-Fei Dong, die in den USA lebt und an der Juilliard School in New York studiert. Sie wurde 1990 in Shenzhen geboren und gab ihr erstes Klavierkonzert im Alter von zehn Jahren. Drei Jahre später debütierte sie als Solistin mit dem Jugendorchester von Macau. Seitdem hat Fei-Fei Dong mit dem Hong Kong Symphony Orchestra und dem Orchester der Academy of Aspen zusammen gearbeitet.
Unter Leitung von Yongyan Hu werden außerdem große russische Komponisten beim 9. Philharmonischen Konzert zu Gehör gebracht. Die Norddeutsche Philharmonie spielt zum Auftakt der Konzertabende die Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Peter Tschaikowski (1840 – 1893). Das Stück, das auf dem gleichnamigen Theaterstück des Dramatikers William Shakespeare basiert, gilt als Tschaikowskis erstes Meisterwerk, das 1869 entstand, 1870 und 1880 aber noch einmal überarbeitet wurde. Tschaikowski erzählt darin nicht etwa die Handlung des Theaterstücks mit musikalischen Mitteln, er konzentriert sich auf die Kerninhalte, die Liebe zwischen dem Paar, den Streit zwischen den Adelsfamilien und die Hilfsbereitschaft und Güte des Paters Lorenzo. Die drei Themenkomplexe werden musikalisch deutlich herausgearbeitet und entwickeln sich im Konflikt miteinander, dramatisch und klanggewaltig.
Zum Abschluss der Konzertabende erklingt in Rostock die Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100 von Sergej Prokofjew (1891 – 1953). 1944 komponiert und am 13. Januar 1945 in Moskau uraufgeführt, ist diese Sinfonie durch die Kriegsereignisse bestimmt, klangvoll mächtig und heroisch. Heute ist sie sein bekanntestes und am meisten aufgenommenes sinfonisches Werk.
Prokofjew besaß schon in frühem Alter ein großes musikalisches Talent. 13-jährig begann er am Sankt Petersburger Konservatorium ein Studium für Komposition, Klavier und das Dirigieren. Er machte sich als brillanter Pianist schnell einen Namen, reiste viel und gab Konzerte. Diese erste „russische Periode“ war gekennzeichnet durch große vitale musikalische Kraft, aber auch eigenwillige Rhythmen und sarkastischen Humor. Nach der Oktoberrevolution 1918 ging der Sohn eines Gutsbesitzers ins Ausland, zunächst in die USA, dann nach Frankreich. Es schloss sich musikalisch die „Auslandsperiode“ an, die Musik wurde moderner und experimenteller. Nach mehreren Jahren der Annäherung an seine Heimat und dem Pendeln zwischen Paris und Moskau kehrte er 1936 endgültig nach Moskau zurück. Die „sowjetische Periode“ seines Schaffens begann, die produktivste seines Lebens. Viele der bedeutendsten Werke entstanden. Prokofjew besann sich auf die guten Traditionen russischer Volksmusik und seine Musik wurde verständlicher und lyrischer. Prokofjew zählt heute zu den Klassikern der Moderne, der einen eigenen und neuartigen Stil fand und viele Komponisten nachfolgender Generationen beeinflusste.
Die Rostocker Zuhörer dürfen gespannt sein, wie der chinesische Konzertdirigent Yongyan Hu gemeinsam mit der Norddeutschen Philharmonie die 5. Sinfonie von Prokofjew interpretiert.
An dieser Stelle sei auch bereits verraten, dass es nicht das letzte gemeinsame Konzerterlebnis von Dirigent und Orchester sein wird. Die Zusammenarbeit mit Yongyan Hu wird eine Fortsetzung finden, da die Chemie zwischen dem Orchester und dem Dirigenten stimmt, eine ganz besonders harmonische ist.

Das 9. Philharmonische Konzert findet am Sonntag, 22. Mai 2016 um 18:00 Uhr sowie Montag und Dienstag (23. & 24. Mai) jeweils um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock statt, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und (wenn noch vorhanden) an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber, Fotos: Jiyang Chen, Peter Dynow

7. Philharmonisches Konzert: Dirigent Hu Yongyan bringt Flair der Peking-Oper nach Rostock

Voller Spannung sehen die Musikfreunde wie auch die Musiker der Norddeutschen Philharmonie dem 7. Philharmonischen Konzert entgegen. Der Principal Guest Conductor Hu Yongyan feiert in Rostock seinen Einstand. Nach vielen Jahren hat Rostock wieder einen ersten Gastdirigenten, der die Leitung mehrerer Konzerte übernimmt. Doch es ist nicht allein die große Erwartung an die Zusammenarbeit mit dem international renommierten chinesischen Dirigenten, die das Premierenfieber steigen lässt. Orchesterdirektor Hans-Michael Westphal erklärt: „Wir spielen ein chinesisches Musikstück in Anlehnung an eine Peking-Oper, das ist völlig neu für uns. Noch nie haben wir traditionelle chinesische Musikinstrumente in unsere Arbeit integriert.“ Verschiedene Kulturen würden aufeinander prallen, er sei sehr neugierig auf die gemeinsame Arbeit mit Hu Yongyan.
Hu Yongyan ist in Shanghai geboren, studierte am Konservatorium in Peking, an der Yale University in New Haven und an der Juilliard School in New York City und hat international bereits für viel Aufsehen gesorgt. Er arbeitete als Gastdirigent mit Orchestern wie Orchestre National de France, Royal Philharmonic, Buffalo Philharmonic, New Jersey Symphony, Singapore Symphony, Hong Kong Philharmonic und China Philharmonic. Er gastierte beim Festival Wien Modern und beim Beethovenfest Bonn. Sein Konzert mit dem Hollywood Bowl Orchestra in Los Angeles wurde weltweit übertragen. Mit Beethovens 9. Sinfonie und der in seiner Heimat China beliebten „Yellow River Cantata“ gab Hu Yongyan 2003 sein Debüt in der Carnegie Hall. Im klassischen Bereich arbeitete er mit Künstlern wie Yo-Yo Ma, Itzhak Perlman, Lang Lang, Barbara Hendricks und Pinchas Zukerman, im Pop u. a. mit Charlotte Church, Nana Mouskouri und Mark O’Connor.
Und nun eben mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Präsentieren wird der chinesische Dirigent auch ein zeitgenössisches Stück aus der Heimat. Die sinfonische Fantasie „Lebe wohl, meine Konkubine“ für Sopran vom Komponisten Xia Guans, der sein Werk für traditionelle chinesische Instrumente und Sinfonieorchester schrieb. Dieses Stück besitze viel vom Flair einer Peking-Oper, verspricht die Rostocker Dramaturgin Corina Wenke. In der traditionellen chinesischen Oper vermischen sich bekanntlich viele künstlerische Elemente wie Singen, Tanzen und darstellendes Spiel. Die Solistin Junhua Chen bringe neben ihren farbenprächtigen Kostümen auch eine eigene Maskenbildnerin mit, erzählt Wenke. „Der Zuschauer darf sehr gespannt sein. Er wird in die Zeit von vor 2000 Jahren entführt und erlebt eine dramatische Liebesgeschichte.“
Musikalische „Romeo und Julia“-Versionen stellen auch die anderen Werke des Konzertabends dar. Von Leonard Bernstein (1918-1990) sind die Sinfonischen Tänze aus der „West Side Story“ zu hören. Im Jahr 1957 hatte der weltberühmte Dirigent und Komponist eine moderne „Romeo und Julia“-Adaption auf die amerikanische Musicalbühne gebracht, die vom Broadway aus einen gigantischen Siegeszug in der ganzen Welt feierte. Die Sinfonischen Tänze erlebten 1961 mit den New Yorker Philharmonikern ihre Uraufführung.
Die Suite „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew (1891-1953) vervollständigt den musikalischen Abend im Großen Haus. Sie entstand nach dem gleichnamigen Ballett, das Prokofjew im Jahr 1935 im Auftrag des Bolschoi-Theaters schrieb und das am 30. Dezember 1938 in Brünn in der damaligen Tschechoslowakei uraufgeführt wurde. Das Ballett bildet einen Höhepunkt im musikalischen Schaffen von Prokofjew. Bis 1946 fertigte der Komponist insgesamt drei Suiten für Orchester sowie Klavierbearbeitungen einiger Stücke an.

Das 7. Philharmonische Konzert erklingt am Sonntag, 29. März 2015 um 18:00 Uhr und am Montag und Dienstag, 30. und 31. März 2015 jeweils um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen des Volkstheaters.

Text: Anette Pröber
Fotos: Künstler

CD-Besprechung von Robert Cummings – Classical Net

Bei Classical Net, einem englischsprachigen Klassikportal, ist eine weitere begeisterte Rezension der Prokofjew-CD erschienen, die die Norddeutsche Philharmonie Rostock unter Leitung ihres GMDs Florian Krumpöck mit der koreanischen Cellistin YuJeong Lee im Frühjahr 2011 aufnahm. Sie erhalten diese CD übrigens unter anderem am Stand der Philharmonischen Gesellschaft beim kommenden 6. Philharmonischen Konzert.

Hier die deutsche Übersetzung der Rezension:

„Solo Musica präsentiert die junge, aus Südkorea stammende Cellistin YuJeong Lee als die tragende Künstlerin des Albums, bildet sie auf dem Cover ab und verleiht ihr Vorrang gegenüber allen anderen Musikern, einschließlich dem Komponisten. Für mich aber ist der wahre Star dieser CD der Dirigent Florian Krumpöck. Das soll die herausragende Leistung der Cellistin keinesfalls schmälern. Ich werde mich ihr an späterer Stelle näher widmen. Krumpöck, Jahrgang 1978, ist Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock und des Volkstheaters Rostock. Zahlreiche bejubelte Aufnahmen von Schubert-, Liszt- und Mozartkompositionen belegen überdies seine Meisterschaft als Pianist. Zweimal hat er zudem im Rahmen von Konzerten den vollständigen Werkzyklus der 32 Klaviersonaten Beethovens aufgeführt. Auf dem vorliegenden Album dirigiert er Prokofievs 1. Suite aus Romeo und Julia mit solcher Einfühlung und Fantasie, dass man sich wünscht, er hätte das vollständige Ballett eingespielt. Ich jedenfalls würde nach dieser Interpretation gern noch viele andere Werke in seiner Interpretation hören. Wenn er nun mit seinem Orchester einen Zyklus von Mahler-Symphonien in Angriff nimmt, hoffe ich, dass zumindest einige davon auf CD erscheinen.

3. Philharmonisches Konzert mit Enrico Calesso und Bernd Glemser (Klavier)

Im kommenden 3. Philharmonischen Konzert erleben wir mit Bernd Glemser einen Solisten, der den Rostockern schon wohlbekannt ist, nun aber fast auf den Tag genau vier Jahre nicht in der Hansestadt zu hören war. Ursprünglich war Bernd Glemser schon für ein Konzert in der letzten Spielzeit eingeladen, leider fiel sein Auftritt mit Rachmaninovs drittem Klavierkonzert damals den klimatischen Bedingungen im Theaterzelt zum Opfer. Bei seinem letzten Auftritt mit der Norddeutschen Philharmonie im November 2008 spielte er das Klavierkonzert Nr. 3 von Ludwig van Beethoven.
Diesmal bringt er uns das dritte Klavierkonzert von Sergej Prokofjew zu Gehör, das populärste der drei Klavierkonzerte Prokofjews und übrigens das einzige, von dem eine Aufnahme des Komponisten selbst am Klavier existiert.
Mit Prokofjews Symphonie Nr. 1 D-Dur op. 25 mit dem Titel „Klassische“ steht seine bekannteste Sinfonie auf dem Programm, von Leonard Bernstein wurde sie einst als Musterbeispiel für „Humor in der Musik“ beschrieben. Umrahmt werden die beiden Kompositionen Prokowjews mit der Ouvertüre „Il mondo della luna“ (Die Welt auf dem Monde) von Joseph Haydn und mit Haydns Symphonie Nr. 104 D-Dur, eine seiner Londoner Sinfonien.
Alles in allem ein sehr farbiges Programm, das die Norddeutsche Philharmonie unter der Leitung von Enrico Calesso präsentiert, einem jungen, in Treviso (Italien) geborenen Dirigenten, der seit dieser Spielzeit 1. Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Mainfranken-Theater Würzburg ist.

Wie Sie auch unserem Konzertkalender entnehmen können, findet das 3. Philharmonische Konzert am 10. und 12. November um 19.30 Uhr und am 11. November um 18.00 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock statt.

Gespräch über Prokofjew-CD mit Florian Krumpöck auf NDR Kultur

Da die Sendung „CD-Neuheiten“ von NDR Kultur in der Mediathek des NDR nicht zu finden ist, hätten wir Ihnen an dieser Stelle gern einen Mitschnitt präsentiert. Leider gab uns der NDR hierfür kein Einverständnis.
Erfreulicherweise überließ man uns aber ein Script der Sendung, so dass wir Ihnen zumindest den Wortlaut des Gesprächs von NDR-Autor Philipp Cavert mit dem Chefdirigenten Florian Krumpöck über die Prokofjew-CD hier zum Nachlesen anbieten können:

…Die CD Neuheiten, zu denen Sie heute Philipp Cavert begrüßt, beginnen aber mit einem Orchester hier aus dem Norden. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock präsentiert Werke von Sergej Prokofiew. Für die Sinfonia concertante hat sich Dirigent Florian Krumpöck eine ganz bestimmte Cellistin ausgeguckt: die junge Koreanerin YuJeong Lee.

Florian Krumpöck:Also es war eigentlich so: sie wollte zunächst ein anderen Cellokonzert aufnehmen und ich hab zu ihr gesagt, ich fände es bei den Fähigkeiten, die sie hat, und von ihrer Persönlichkeit her, ich fände den Prokofjew einfach eine tolle Idee, weil das vielleicht auch nicht so oft aufgenommen wird wie ein Dvorak- Schumann- oder Haydn-Konzert, irgendwas in diese Richtung. Das hat sie dann aufgegriffen und sich sehr lang mit dem Stück beschäftigt – schon im Vorfeld, hat das auch aufgeführt, und wir haben es ja auch im Konzert hier gespielt. So ist also die Auswahl dann entstanden, und ich wollte unbedingt ein sinfonisches Werk dazu aufnehmen.“