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Ehrendirigent Wolf-Dieter Hauschild zum Abschluss der Konzertsaison mit Werken von Schubert, Brahms und Peteris Vasks am Pult

Mit einem Stück des lettischen Komponisten Peteris Vasks endet die musikalische Ostsee-Rundreise der diesjährigen Konzertsaison. Der heute 69-Jährige hatte sein eindrucksvolles Werk „Musica dolorosa“ für Streichorchester 1983 geschrieben. Die persönliche Trauermusik in Andenken an seine Schwester wurde für die Letten am Ende der Sowjetära zur Trauermusik eines ganzen Volkes, das sich gegen Agonie, Verzweiflung und Unterwerfung zur Wehr setzte.
Stets habe er mit der Musik „Wichtiges“ sagen wollen, meinte Vasks. Immer ginge es dabei um Ideale, um Glaube und um Liebe. Als Musiker verstehe er sich als Gewissen seines Volkes und sei damit wohl immer in Opposition zum Staat. Für seine Kompositionen errang der in Riga lebende freischaffende Komponist dreimal den Großen Musikpreis Lettlands, er ist Ehrenmitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften und wurde 2001 von der Königlich Schwedischen Musikakademie aufgenommen.
Am Pult leitet Wolf-Dieter Hauschild das Konzert, Ehrendirigent der Norddeutschen Philharmonie. Hauschild, geboren 1937 in Greiz, war ein bekannter und erfolgreicher Dirigent in der DDR. Er erlangte mit dem Konzert zur Wiedereröffnung der Semperoper in Dresden 1985 auch international Aufmerksamkeit. Im gleichen Jahr verließ er das Land und wurde in Stuttgart Generalmusikdirektor. Seitdem führte er viele große deutsche Klangkörper, von 2002 bis 2004 war er Generalmusikdirektor am Volkstheater Rostock.
Für den Abschluss der Konzertsaison hat der Dirigent tragende große Meisterwerke ausgewählt. Zunächst bringt er von Franz Schubert (1797 – 1828) die „Unvollendete“ zu Gehör, die aus nur zwei Sätzen besteht, was dem damaligen Zeitgeist vollkommen widersprach. Die Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 erlangte erst viele Jahre nach dem Tod des Komponisten musikgeschichtliche Bedeutung. Der Grund, warum das Werk unvollendet blieb, ist unter Musikwissenschaftlern umstritten. Jedoch gibt es die Theorie, dass Schubert nicht die Notwendigkeit sah, noch einen dritten und vierten Satz zu schreiben, da er alle seine Intentionen bereits umgesetzt hatte.
Den Konzertabend beschließen wird die Norddeutsche Philharmonie mit der Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 von Johannes Brahms (1833 – 1897). Die Uraufführung des Werkes im Entstehungsjahr 1877 wurde zu einem der größten Erfolge des Komponisten, der häufig mit Beethoven verglichen wurde. Brahms Freund, der Chirurg Theodor Billroth, schrieb über die Sinfonie Nr. 2 begeistert: „Das ist ja lauter blauer Himmel, Quellenrieseln, Sonnenschein und kühler grüner Schatten!“ Der rechte Abschluss für das Konzertjahr 2014/2015, so möchte man meinen.

Das 10. Philharmonische Konzert findet am Sonntag, 28. Juni 2015 um 18:00 Uhr und am Montag und Dienstag, 29. und 30. Juni 2015 jeweils um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters Rostock statt, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen des Volkstheaters.

Text: Anette Pröber

1. Philharmonisches Konzert der 120. Saison – Achtung, neue Termine!

Die Norddeutsche Philharmonie Rostock eröffnet ihre 120. Konzertsaison mit drei Werken, die – jedes für sich – einen festen Platz in der Musikgeschichte haben und im Repertoire eines Sinfonieorchesters nicht fehlen sollten.
Joseph Haydns Symphonie Nr. 103 Es-Dur „mit dem Paukenwirbel“, die vorletzte, die er komponierte, wurde in London am 2. März 1795 uraufgeführt. Der namensgebende Paukenwirbel, der – ungewöhnlich für den Beginn einer Sinfonie – ganz am Anfang steht, ist im Autograph als ganze Note mit Fermate notiert und mit „Intrada“ überschrieben. Da Angaben zur Dynamik fehlen, billigt der Komponist dem ausführenden Pauker einen großen Gestaltungsspielraum zu. Ebenso kann der Begriff „Intrada“ als Aufforderung zu einer  Improvisation verstanden werden, eine durchaus gängige Praxis zur damaligen Zeit, bei der auch in Instrumentalkonzerten vom jeweiligen Solisten eine frei improvisierte Kadenz verlangt wurde. Lassen Sie sich also überraschen, mit welcher Interpretation die Norddeutsche Philharmonie Rostock Sie überraschen wird …
Auch die übrigen Sätze zeigen bis hin zum Finale, „Allegro con spirito“ auf meisterliche Art und Weise den Komponierstil Haydns, mit wenigen Mitteln und aus dem Nichts kommend einen großen musikalischen Satz zu bauen. Der zweite Satz „Andante più tosto allegretto“ skizziert mit Volksweisen aus Ungarn und Kroatien ein Idyll, während der dritte Satz das „Menuet – Trio“ einen Tanz darstellt, mit dem sich gerne der Adel des 18. Jahrhunderts identifizierte – wären da nur nicht ein paar zusätzliche Takte, die ein Tanzen nach dieser Musik eigentlich unmöglich machten. Das Londoner Publikum war bei der Uraufführung jedenfalls verblüfft und begeistert zugleich. Die Londoner vergötterten Joseph Haydn nahezu, der englische König bot ihm aufgrund seiner Beliebtheit und Wertschätzung gar eine Wohnung auf Schloss Windsor an.
Seine ersten acht „Slawischen Tänze“ (op. 46) komponierte Antonín Dvořák 1878 ursprünglich für Klavier zu vier Händen. Bereits kurz nachdem Dvořák die Orchesterfassung erstellte, traten sie ihren Siegeszug durch die großen Konzertsäle an. Alle namhaften Dirigenten wollten sie in ihr Programm aufnehmen. 1886 entschloss sich der Komponist auf Anraten seines Verlegers Fritz Simrock, acht weitere Slawische Tänze (op. 72) zu komponieren, die er schließlich von November 1887 bis Januar 1888 ebenfalls orchestrierte. Aus dieser zweiten Serie hören wir die Tänze Nr. 5 – 8. Die Stücke orientieren sich hauptsächlich an charakteristischen Mustern böhmischer und mährischer Volkstänze, mitunter hat Dvořák aber durchaus auch Tänze der Nachbarländer einfließen lassen. So handelt es sich beim Tanz Nr. 5 beispielsweise um einen „Spacirka„, einen langsamen böhmischen Schreittanz, der zu einem schnellen Rundtanz übergeht, Tanz Nr. 7 ist hingegen ein serbischer Kolo.
Johannes Brahms, der erst 22 Jahre nach seinem ersten Klavierkonzert das zweite Werk dieser Gattung komponierte, hat wohl mehr eine Sinfonie mit Klaviersolo geschaffen. Mit vier Sätzen und einer Aufführungsdauer von etwa 50 Minuten wirkt das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83 im Vergleich zu damaligen Klavierkonzerten regelrecht monumental und war zum Zeitpunkt seiner Enstehung dass längste überhaupt. Das Werk erlebte seine Uraufführung 1881 in Budapest und kein geringerer als Brahms selbst spielte den Solopart. Es wurde – im Gegensatz zum damals mit eher zögerlichem Beifall bedachten ersten Klavierkonzert – recht schnell ein großer Erfolg.
Den Solopart des Konzertes übernimmt der Pianist Lars Vogt, der bereits zum fünften Mal mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock musiziert. Die Leitung des Konzertes hat der englische Dirigent David Parry.

Wir weisen noch einmal ausdrücklich auf die neuen Konzerttermine hin, ab dieser Spielzeit finden die Philharmonischen Konzerte Sonntags bis Dienstags statt, so dass Sie das 1. Philharmonische Konzert also am Sonntag, 28. September 2014 um 18:00 Uhr und am Montag, 29. September und Dienstag, 30. September jeweils um 19:30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters erleben können.
Neue Termine bergen stets ein gewisses Risiko. Wir möchten Sie deshalb um Ihre Mithilfe bitten, diese Änderung in Rostock und Umgebung bekannt zu machen!
(Den ankündigenden Text zu diesem Philharmonischen Konzert verfasste dankenswerterweise der Soloschlagzeuger der Norddeutschen Philharmonie, Wolfgang Morbitzer.)