Herzlich willkommen …

… auf den Seiten der Philharmonischen Gesellschaft Rostock e.V.!
Wir wollen Ihnen hier die Möglichkeit geben, aktuelle Informationen über unsere Vereinsarbeit und die Norddeutsche Philharmonie Rostock zu erhalten und eine Plattform schaffen, die es Ihnen ermöglicht, mit uns und mit dem Orchester in Kontakt zu kommen.
Wir werden uns bemühen, Termine und Informationen stets aktuell zu halten, trotzdem möchten wir Sie darauf hinweisen, dass wir die Richtigkeit unserer Angaben keinesfalls garantieren können.
Bitte vergewissern Sie sich im Zweifel immer auf den Seiten des Volkstheaters Rostock!
Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Seite nutzen würden, um uns Ihre Wünsche und Hoffnungen, vielleicht auch Ihre Kritik, mitzuteilen. Dies gilt sowohl für die Arbeit unseres Vereins als auch für die Arbeit der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Gegebenenfalls leiten wir Ihre Anregungen gern weiter.

Sebastian Knauer spielt „Concerto in F“ von George Gershwin

Gastdirigent aus China Yongyan Hu leitet 9. Philharmonisches Konzert

Das 9. Philharmonische Konzert bringt ein Wiedersehen mit dem chinesischen Gastdirigenten Yongyan Hu, der in Rostock eine große Fangemeinde hat, und Hörerlebnisse der besonderen Art verspricht. Wie bei seinen vorangegangenen Auftritten in Rostock wird er auch diesmal eine Komposition aus seiner Heimat mitbringen: die Cantonese Suite für Orchester von Xiaogang Ye. Von diesem Komponisten stammte auch das Klavierkonzert „Scent of the Green Mango“, das in der letzten Saison in Rostock gefeiert wurde.
Der Dirigent Yongyan Hu ist in Shanghai geboren, studierte am Konservatorium in Peking, an der Yale University in New Haven und an der Juilliard School in New York City und hat international bereits für viel Aufsehen gesorgt. Er arbeitete als Gastdirigent mit Orchestern wie Orchestre National de France, Royal Philharmonic, Buffalo Philharmonic, New Jersey Symphony, Singapore Symphony, Hong Kong Philharmonic und China Philharmonic. Er gastierte beim Festival Wien Modern und beim Beethovenfest Bonn. Mit Beethovens 9. Sinfonie und der in seiner Heimat China beliebten „Yellow River Cantata“ gab Yongyan Hu 2003 sein Debüt in der Carnegie Hall. Im klassischen Bereich arbeitete er mit Künstlern wie Yo-Yo Ma, Itzhak Perlman, Lang Lang, Barbara Hendricks und Pinchas Zukerman, im Pop u. a. mit Charlotte Church, Nana Mouskouri und Mark O’Connor.
Mit dem Pianisten Sebastian Knauer betritt ein weiterer Star die Rostocker Konzertbühne im Großen Haus. Der in Hamburg geborene Knauer, vielen durch das Schleswig-Holstein-Festival und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ein Begriff, wird George Gershwin (1898 – 1937) zu Gehör bringen. Das Klavierkonzert in F-Dur entstand 1925, ein Jahr nach der Rhapsody in Blue, die Gershwin große Bekanntheit gebracht hatte. Gershwin erhielt von der New York Symphony Society den Auftrag, ein Orchesterwerk zu schreiben. Er sagte ein Klavierkonzert zu und bekam die Garantie für sieben Auftritte als Solist in New York, Philadelphia, Washington und Baltimore. Die Uraufführung seines Concerto in F fand am 3. Dezember 1925 in der Carnegie Hall mit dem Komponisten am Klavier unter Leitung von Dirigent Walter Damrosch statt. Geboren war eine geniale Mischung aus klassischer Musik, Jazz und Blues. Der Gershwin Sound hat bis heute nichts von seiner hinreißenden Leichtigkeit verloren.
Den zweiten Teil des 9. Philharmonischen Konzertes bestimmt Peter Tschaikowskis (1840 – 1893) Sinfonie Nr. 5 e-Moll. Das Werk entstand 1888 und wird bestimmt durch das Schicksalsmotiv. Der Komponist, der häufig von Selbstzweifeln und Schaffenskrisen geplagt wird, fragte sich, ob er sich „dem Glauben in die Arme werfen“ soll. Diese Sinfonie gehört neben der 4. Und 6. Zu den populärsten des russischen Meisters.
Vor den Philharmonischen Konzerten gibt es an allen drei Abenden eine Konzerteinführung. Jeweils eine halbe Stunde vor Beginn wird im Intendanzfoyer Wissenswertes über die Werke und Komponisten vermittelt.

Termine Großes Haus Rostock: 14. Mai um 18.00 Uhr und am 15. und 16. Mai um 19.30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und – soweit vorhanden – an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: Steven Haberland, Peter Dynow

Mozart zur Petitionsübergabe

Fulminanter Protest durch die Philharmonische Gesellschaft Rostock und Orchestermitglieder im Schweriner Schloss

Kurz vor Beginn einer Sitzung des Petitionsausschusses im Schweriner Landtag spielte am Donnerstagnachmittag ein Quartett aus Mitgliedern der Norddeutschen Philharmonie Rostock dem parlamentarischen Gremium auf. Frühlingsmelodien von Mozart. Manfred Dachner, der Vorsitzende des Petitionsausschusses, zeigte sich beeindruckt und sprach von einem „historischen Moment“. Noch nie sei wohl eine Petition in Deutschland begleitet von Mozartschem Klang überreicht worden, meinte der SPD-Landtagsabgeordnete.
Die Philharmonische Gesellschaft Rostock e.V. war eigens mit einer kleinen Abordnung angereist, um ihrer Forderung nach dem Erhalt der Norddeutschen Philharmonie Rostock Ausdruck zu verleihen und 14.125 gesammelte Unterschriften gegen die Kürzungspläne zu überreichen. Der Rostocker Unternehmer Dr. Thomas Diestel, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft, unterstrich, dass es in Zeiten des allgemeinen Wohlstands in Deutschland vollkommen unverständlich sei, wertvolle Kulturgüter aufzugeben. „Das renommierte Orchester hat eine 120-jährige Tradition, dabei Zeiten von Kriegen und Krisen überstanden. Wir werden alles unternehmen, damit auch nachfolgende Generationen sich an der Qualität dieses A-Orchesters erfreuen können.“
Eine Schrumpfung von derzeit 73 auf 59 Musikerstellen, wie sie der Intendant des Volkstheaters Rostock ins Gespräch gebracht habe, sei nicht hinnehmbar, erklärte Orchestervorstand Andreas Ott im Schweriner Schloss. Viele Werke großer Komponisten würden bei einem weiteren Stellenabbau vom Spielplan gestrichen werden müssen und die Klangfarbe und -fülle des Orchesters ginge verloren. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock ist der renommierteste Klangkörper des Landes Mecklenburg-Vorpommern und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Weltweit gefragte Künstler und Dirigenten fühlen sich von ihm nach Rostock gezogen. Das Orchester spielt in der 1. Liga, ist Aushängeschild der Region.
Die Zielvereinbarung zwischen der Hansestadt und dem Land Mecklenburg-Vorpommern besage, „alles… zur Wahrung und Steigerung des künstlerischen Ranges des Volkstheaters und seines Orchesters zu tun“, erklärte der Vorsitzende der Philharmonischen Gesellschaft Rostock. Er forderte dazu auf, diese Vereinbarung beim Wort zu nehmen, über Möglichkeiten und finanzielle Mittel neu zu befinden, um die Streichpläne endlich aus der Welt zu schaffen.
Unter den Zuhörern im Schloss war auch Eva-Maria Kröger (Linke) aus Rostock. Sie gehört bekanntlich zum Aufsichtsrat des Volkstheaters und ist zugleich auch Mitglied im Petitionsausschuss des Landtages. Sie freute sich über das bürgerschaftliche Engagement, das nun auch auf Landesebene angekommen sei. Zugleich wertete sie das kürzlich ergangene Urteil des Rostocker Arbeitsgerichtes, Orchestermitglieder wieder einzustellen, als einen wichtigen Achtungs-Erfolg. Allerdings sei das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Die Petition, die übergeben wurde, werde nun „neutral geprüft“, sagte Dachner. Es werden zunächst die Stellungnahmen der verschiedenen Seiten eingeholt. Danach werde über weitere Schritte beraten.
Im vergangenen Jahr wurden über 1600 Petitionen in Schwerin eingereicht. Bei etwa der Hälfte aller Petitionen kann ein positiver Abschluss bzw. ein Kompromiss erreicht werden, sagte der Vorsitzende des Petitionsausschusses.

Text und Fotos: Anette Pröber

Dirigent Roger Epple leitet 8. Philharmonisches Konzert in Rostock

Der Dirigent Roger Epple übernimmt kurzfristig die Leitung des 8. Philharmonischen Konzerts der Norddeutschen Philharmonie für den leider verhinderten Roman Brogli-Sacher. Roger Epple zählt zu den herausragenden deutschen Dirigenten seiner Generation. Nach festen Dirigentenpositionen an der Oper Leipzig und am Mannheimer Nationaltheater wurde er 1996 als Generalmusikdirektor an das Opernhaus Halle berufen, wo er acht Jahre lang die künstlerische Leitung des größten und bedeutendsten Orchesters des Landes Sachsen-Anhalt übernahm, von 2012 bis 2016 war Roger Epple Generalmusikdirektor am Oldenburgischen Staatstheater. Er dirigierte bedeutende Orchester im In- und Ausland u.a. in Paris, Amsterdam, Dublin, Brüssel, Sao Paulo, Mexiko-Stadt, Berlin, München, Dresden und Leipzig. Zahlreiche CD-Einspielungen u.a. für Sony, Teldec, Capriccio und cpo dokumentieren seine Vielseitigkeit. Für seine Einspielung von Karl Amadeus Hartmanns Wachsfigurenkabinett wurde ihm der Echo-Klassik verliehen.
Im Großen Haus Rostock startet Epple den Konzertabend mit dem grandiosen Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op.15 von Johannes Brahms (1833-1897). Das Werk hat eine lange Entstehungsgeschichte, bevor es zu einem Meisterwerk wurde, das zu den beliebtesten Werken Brahms zählt. Es wurde ab 1854 komponiert und am 22. Januar 1859 im königlichen Hoftheater in Hannover uraufgeführt. Am Klavier saß damals der Komponist.
In Rostock wird der renommierte Brahms-Interpret Gerhard Oppitz (geb. 1953) zu erleben sein. Oppitz hat sämtliche Werke des norddeutschen Komponisten auf Schallplatte eingespielt und in Konzertzyklen vorgetragen. 2009 wurde der Pianist mit dem Brahms-Preis ausgezeichnet. Gerhard Oppitz lehrt als Professor seit 1981 an der Münchner Musikhochschule und erhielt für sein Schaffen 2014 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.
Nach der Pause erklingt die Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonin Dvorák (1841-1904), der von Brahms maßgeblich gefördert und beeinflusst worden war. Der böhmische Komponist schrieb die Sinfonie Nr. 8 anlässlich seiner „Aufnahme in die Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst“. Das Werk ist lyrisch und frohgestimmt. Der Komponist ließ sich von der Landschaft am Sommersitz in Vysoká inspirieren. Die von Dvorák selbst dirigierte Uraufführung am 2. Februar 1890 in Prag mit dem Orchester des Tschechischen Nationaltheaters gestaltete sich als Erfolg. Zu Lebzeiten des Komponisten wurde die Sinfonie als Nr. 4 gezählt.
Vor jedem Philharmonischen Konzert gibt es die Möglichkeit, an einer Konzerteinführung teilzunehmen. Es wird Wissenswertes über die Komponisten und Werke vermittelt. Die Einführung findet eine halbe Stunde vor Konzertbeginn im Intendanzfoyer statt.

Termine des 8. Philharmonischen Konzerts: Großes Haus des Volkstheaters Rostock am 23. April um 18:00 Uhr, am 24. und 25. April um jeweils 19:30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und – soweit vorhanden – an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: privat, Peter Dynow

7. Philharmonisches Konzert mit Uraufführung, Kinderchor und Klavierkonzert

Die Norddeutsche Philharmonie hat sich für das 7. Philharmonische Konzert ein außergewöhnliches Musikprogramm für die Rostocker Konzertfreunde einfallen lassen. Das Eröffnungsstück für die drei Konzertabende ist ein anspruchsvolles Auftragswerk. Der koreanische Komponist Myung-Whun Choi (geb. 1974), der einst in Bremen studierte und seitdem eine enge Verbindung nach Deutschland pflegt, schrieb für das Rostocker Orchester das Werk „Hoffnung“ (Na-rae 4). Im Anschluss wird der Kinderchor der Singakademie Rostock e.V. einen Bachchoral singen, gedacht als perfekte Überleitung zum Klavierkonzert f-Moll op. 114 von Max Reger. Einstudiert wurde das Stück von Dmitry Krasilnikov. Der in Moskau geborene Musikwissenschaftler absolvierte in Rostock an der HMT eine Ausbildung zum Orchesterdirigenten und leitet seit 2015 als Chorleiter den Kinder- und Jugendchor der Rostocker Singakademie am Volkstheater.
Max Regers (1873-1916) Klavierkonzert op. 114 entstand im Sommer 1910 in Leipzig und wurde dort auch am 15. Dezember im Gewandhaus uraufgeführt. Reger hatte das Werk der Pianistin Frieda Kwast-Hodapp als Dankeschön gewidmet, weil sie 1908 Regers Bach-Variationen op. 81 erstaufführte. Kwast-Hodapp spielte zur Uraufführung und Reger war so begeistert von ihrer Darbietung, dass er sie Kwast-Hutab titulierte. Von der Kritik wurde das Klavierkonzert allerdings verrissen. Der Rezensent der Leipziger Neuesten Nachrichten schrieb von einem Konzert, das ihm „als eine neue Fehlgeburt der in Inzucht verkommenden Reger-Muse erschienen ist“. Das technisch anspruchsvolle Werk zählt bis heute zu den wenig gespielten Klavierkonzerten. Zu Unrecht, weil es klanggewaltig ist, ein „Klaviergebirge“, wie es zahlreiche meisterhafte Einspielungen beweisen. In Rostock ist am Klavier Bernd Glemser (geb. 1962) zu erleben, der seit 1995 regelmäßig Gast der Norddeutschen Philharmonie in Rostock ist. Das Konzertrepertoire des gefeierten Pianisten reicht von der Barockmusik bis zu Klavierwerken der Neuen Musik.
Nach der Pause spielt das Orchester unter der Leitung des Berliner Dirigenten Julien Salemkour (geb. 1969) ein Werk von Arnold Schönberg (1874-1951). Dieser war 1933 in die USA ausgewandert und vollendete dort einige seiner bekanntesten Werke. 1937 huldigte Schönberg dem großen Komponisten Johannes Brahms, in dem er Brahms Klavierquartett Nr. 1 g-moll op. 25 für ein Orchester bearbeitete. Dieses Werk wird heute oftmals scherzhaft als „fünfte Sinfonie von Brahms“ bezeichnet. Dirigent Otto Klemperer hatte nach der Uraufführung in Los Angeles gemeint: „Man mag das Originalquartett gar nicht mehr hören, so schön klingt die Bearbeitung.“
Vor den Philharmonischen Konzerten wird jeweils eine Konzerteinführung angeboten. Diese findet im Intendanzfoyer eine halbe Stunde vor Konzertbeginn statt und vermittelt sehr viel Wissenswertes über die Werke und Komponisten.

Termin: Großes Haus des Volkstheaters Rostock am 26. März um 18.00 Uhr und am 27. und 28. März jeweils um 19.30 Uhr, Karten erhalten Sie an den bekannten Vorverkaufskassen und – soweit vorhanden – an der Abendkasse.

Text: Anette Pröber
Fotos: Carsten Iltsche, Werner Kmetitsch

„Kürzungspläne sind skandalös“ – Interview zur Petition gegen Stellenkürzungen

Für den Rostocker Ostsee-Anzeiger führte Frau Anette Pröber ein Interview zur Petition gegen Stellenkürzungen bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock mit Dr. Thomas Diestel (Geschäftsführer der Dr. Diestel GmbH). Dr. Thomas Diestel ist Gründungsmitglied und seit vielen Jahren Vereinsvorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft Rostock. Die Philharmonische Gesellschaft Rostock e.V. setzt sich seit 1994 für den Erhalt der Norddeutschen Philharmonie und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Orchester ein. Mit Bestürzung haben die Musikfreunde die Kürzungspläne der Stadt und des neuen Intendanten Joachim Kümmritz zur Kenntnis genommen.

Intendant und Stadt sind sich einig, in Rostock ein Vier-Sparten-Theater zu erhalten. Da die Deckelung der Ausgaben für das Theater per Landesvereinbarung festgeschrieben ist – so die Argumentation – müsse der Rotstift angesetzt werden. Die notwendigen Einsparungen sollen durch die Streichung von Orchesterstellen erreicht werden. Was sagen Sie dazu?

Dr. Thomas Diestel: Es ist einfach skandalös. Vor 20 Jahren haben wir 100 Jahre Städtisches Orchester mit 95 Musikern gefeiert. Im 120. Jahr soll das Orchester von 73 auf 59 Musiker schrumpfen, wird ein hochwertiges Ensembles kaputtgespart. Und das nicht in einer Zeit klammer Kassen, sondern angesichts von wirtschaftlichen Erfolgen und rund 260 Millionen Euro Haushaltsüberschuss im Land Mecklenburg-Vorpommern. Von Politikern der CDU und SPD hört man immer wieder, wie reich und glücklich die Deutschen sind. Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum es keine Dynamisierung von Kulturmitteln für Theater und Orchester im Land und in der Stadt gibt. Es wird ein wertvolles kulturelles Erbe aufs Spiel gesetzt. Werke von Bruckner, Schostakowitsch oder die 9. Sinfonie von Beethoven werden in Rostock mit einem Schrumpforchester nicht mehr gespielt werden können. Zumindest nicht mit gebotener Klangfülle und Qualität. Die Norddeutsche Philharmonie, die in Rostock regelmäßig vor vollem Haus gefeiert wird, hat einen guten Ruf über die Region hinaus. Weltberühmte Dirigenten und Solisten sind jedes Jahr in Rostock zu Gast. Das Orchester ist auch international unterwegs und eines der besten Aushängeschilder der Hansestadt. Die Norddeutsche Philharmonie spielt in der 1. Liga. Außerdem sind die Musiker regelmäßig in Schulen und Kindergärten und vermitteln humanistische Werte.

In der Öffentlichkeit wird kolportiert, dass nach Einsparungen in anderen Sparten nun erstmals auch das Orchester finanziell zur Kasse gebeten wird. Ist dem so?

Dr. Thomas Diestel: Nein, der jetzt gekündigte Haustarif für das Orchester sah bereits eine Kürzung der Gehälter aller Musiker unter der Maßgabe vor, dass die Zahl der Orchestermitglieder nicht weiter sinkt. Denn seit Jahren werden Stellen gestrichen, blutet das Orchester aus. Besonders dramatisch ist, dass drei Stellen für Solo-Instrumente derzeit nicht besetzt werden können, wichtige musikalische Arbeit bleibt liegen. Das Durchschnittsalter der Orchestermitglieder beträgt 55 Jahre. Gerade aus diesen Gründen hat die Philharmonische Gesellschaft eine Stiftung ins Leben gerufen, um junge Musiker nach Rostock zu holen und mit Akademie-Geldern zu unterstützen. Diese ehrenamtliche Arbeit wird durch die Beschlüsse der Stadt konterkariert.

Was werden Sie als Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft jetzt unternehmen?

Dr. Thomas Diestel: Wir werden die Kürzungspläne nicht akzeptieren. Viele Rostocker haben mich und den Verein gebeten, starken Protest zu organisieren. Ich bin dabei, eine Petition ins Leben zu rufen, die in Schwerin übergeben werden soll. Ich gehe davon aus, dass sich viele Bürger beteiligen werden und wir so unserer Forderung Nachdruck verleihen, die Norddeutsche Philharmonie als renommierten Klangkörper zu erhalten.

(Anmerkung: Die Petition ist seit dem vergangenen Philharmonischen Konzert im vollen Gange, sehr gern können Sie auch online unterzeichnen.)